Journal · Geburt & Selbstbestimmung

Mein ehrlicher Geburtsbericht – wie ich meinen Sohn im Wasser selbst empfing

Es gibt Geschichten, die man erst erzählen kann, wenn ein bisschen Zeit vergangen ist. Mein Sohn ist inzwischen sechs Monate alt, und noch immer staune ich darüber, wie schnell die Tage vorbeiziehen. Lange habe ich auf den richtigen Moment gewartet, um diese Geschichte aufzuschreiben – und heute ist er da.

Das hier ist mein ehrlicher Geburtsbericht: die natürliche Wassergeburt meines ersten Kindes. Nicht geschönt, sondern das, was wirklich passiert ist – mit allem, was dazugehört. Wenn du schwanger bist, dich auf deine erste Geburt vorbereitest oder einfach echte Geschichten magst, dann ist dieser Text für dich.

Lieber schauen statt lesen? Meinen ganzen Geburtsbericht gibt es auch als Video — jetzt auf YouTube ansehen →

Eine klare Vision: natürlich, im Wasser, mit wenig Eingriffen

Schon während der Schwangerschaft trug ich ein sehr klares Bild in mir: eine natürliche Geburt im Wasser, mit so wenig Eingriffen wie möglich. Ich hatte immer wieder gehört, dass eine Intervention leicht die nächste nach sich zieht – und so wünschte ich mir, dass mein Körper diesen Weg möglichst ungestört gehen darf. Ich wollte nicht einmal einen venösen Zugang gelegt bekommen.

Das machte die Suche nach einer Klinik nicht einfach, denn vieles davon ist schlicht Standard. Am Ende fand ich ein Krankenhaus, das meinen Wunsch mittrug. Ich unterschrieb, dass ich die Verantwortung dafür selbst übernehme – und genau das fühlte sich richtig an.

Neun Tage über den Termin – und plötzlich das Wort „Kaiserschnitt"

Unser kleiner Schatz ließ sich Zeit. Als ich schon neun Tage über dem errechneten Termin war, wurde der Ton beim Frauenarzt vorsichtig drängender. „Wie lange wollen wir denn noch warten?" Mein Mann Remy antwortete für uns beide, ganz ruhig: „So lange, bis das Kind von selbst kommen möchte."

Doch ganz so einfach war es nicht. In meiner Wunschklinik, so erklärte man mir, lasse man sich meist eine Woche Zeit – danach werde eingeleitet. Und käme das Baby nach der Einleitung nicht innerhalb eines gewissen Zeitfensters, könne am Ende sogar ein Kaiserschnitt stehen.

Von „bitte nicht einmal einen Zugang" zu „vielleicht ein Kaiserschnitt" – dieser Sprung saß. Ich weiß, dass man eine Geburt nicht bis ins Letzte planen kann. Und doch war mein inneres Bild so deutlich, dass ich es nicht einfach loslassen wollte.

Die letzte Nacht des Wartens

In den Tagen davor tat ich alles, was in meiner Macht stand: Ich sammelte, was man über das natürliche Anstoßen einer Geburt findet, bewegte mich, meditierte und bereitete mich mit Hypnobirthing vor. Ich wollte diesem Moment mit Ruhe begegnen, nicht mit Angst.

In der Nacht vor Remys Geburtstag machte ich noch eine letzte Dehnübung und schmückte danach heimlich das Wohnzimmer – eine kleine Überraschung, während er schlief. Erst gegen drei legte ich mich hin. Eine Stunde später spürte ich ein leises Ziehen, kaum mehr als das vertraute Gefühl vor der Periode. Ich ahnte noch nicht, dass es längst begonnen hatte.

Der Blasensprung

Remy war früh wach. Als wir gemeinsam zum Badezimmer gingen, lief mir warme Flüssigkeit die Beine hinab. Ich blieb stehen und sagte leise: „Ich glaube, das war's. Ich glaube, meine Fruchtblase ist geplatzt."

Durch mich hindurch ging eine große Erleichterung – ausgerechnet an diesem Tag wäre sonst die Einleitung angestanden. Mein Körper hatte sich zuerst entschieden. Nur das Fruchtwasser war leicht bräunlich, ein möglicher Hinweis auf Mekonium, und damit ein Grund, nicht zu lange zu warten. Unsere Tasche stand längst gepackt bereit; keine zehn Minuten später saßen wir im Auto, und unterwegs meldete ich uns in der Klinik an. Dort bestätigte sich schnell: Es war tatsächlich Fruchtwasser.

Ankommen – und für mich einstehen

Eine kleine Sache aus diesem Tag erzähle ich mit einem Augenzwinkern. Mir wurde Blut abgenommen; ich schaute weg, weil ich Nadeln nicht mag. Als ich wieder hinsah, steckte in meinem Arm ein Zugang – genau das, was ich eigentlich nicht wollte und im Vorgespräch besprochen hatte.

Remy sah mich an: „Es ist deine Entscheidung. Wenn du das nicht möchtest, lassen wir ihn wieder entfernen." Also bat ich höflich darum. Die Reaktion war ein bisschen unwirsch – „das hätten Sie ja früher sagen können" –, aber ich musste innerlich schmunzeln. Für mich war es einfach eine gute Erinnerung, wie schön es ist, ruhig und freundlich bei sich zu bleiben.

Wenn die Wellen kommen

Kaum standen wir wieder auf, ging es richtig los – Schlag auf Schlag, kaum Pause dazwischen. Ich musste mich an die Wand lehnen und atmen, so stark waren die Wehen schon. Man wollte uns zunächst in ein gewöhnliches Zimmer bringen; Remy fragte nach, ob wir nicht gleich in den Kreißsaal dürften, wo mehr Raum ist. Wir durften.

Von da an wurde jede Wehe stärker. Bald konnte ich dabei nicht mehr sprechen – wenn jemand mit einem Fragebogen hereinkam, beugte ich mich mitten im Satz nach vorn und veratmete, was im Hypnobirthing so treffend „die Wellen" heißt.

Endlich Wasser

Als die Schwester fragte, ob sie etwas für mich tun könne, gab es nur eine Antwort: die Geburtswanne. Sie war mein Wunsch von Anfang an gewesen, und für einen Moment hatte ich Glück – die runde Wanne, die sich zwei Räume teilen, war frei. Man ließ sie mir ein, und ich stieg hinein.

Ich hatte mit Intensität gerechnet. Und trotzdem: Es war das Härteste, was ich je erlebt habe – und gleichzeitig das Schönste. Stunde um Stunde fand ich nur eine einzige Haltung, in der ich es tragen konnte: auf den Knien, weit nach vorn gebeugt, auf die Ellenbogen gestützt, das Gesicht nah am Wasser.

Eine Hebamme wie ein Geschenk

Mit dem Schichtwechsel kam ein Mensch herein, für den ich bis heute dankbar bin – meine Hebamme. „Kristina, wenn du etwas brauchst, sag Bescheid. Ansonsten sehe ich: Du machst das großartig." Dann ließ sie uns in Ruhe – den allergrößten Teil der Zeit waren Remy und ich allein, mit unserer Musik und unserem Rhythmus. Sie war da, wenn es zählte, und trat zurück, wenn wir den Raum für uns brauchten. Genau so, wie ich es mir erträumt hatte.

Ganz ehrlich: der Moment, vor dem so viele Angst haben

Es gibt eine Sorge, über die kaum jemand offen spricht – und die ich selbst hatte. Irgendwann meldete sich das Gefühl, auf die Toilette zu müssen. Aus der Wanne zu steigen und die paar Meter zu gehen, war zwischen den Presswehen schlicht unmöglich. Also sagte ich es Remy, wie es war: „Ich komme hier nicht heraus. Es muss jetzt einfach passieren."

Und ja – es passierte, mitten im Wasser. Erstaunlicherweise war es mir in diesem Augenblick vollkommen gleichgültig, weil so viel Größeres im Raum stand. Das Wasser wurde abgelassen, kurz ausgespült und neu eingelassen, während ich blieb, wo ich war. Danach war das Thema erledigt.

Falls dich genau das beschäftigt: Mach dir bitte keine Sorgen. Es ist so unwichtig, wie etwas nur sein kann. Dein Körper weiß in diesem Moment sehr genau, worauf es ankommt.

Der Moment, in dem ich meinen Sohn empfing

Die Presswehen kamen dicht an dicht. Remy, der sich selbst machtlos fühlte, wurde zu meinem Anker: Immer wieder goss er warmes Wasser über meinen Rücken und atmete mit mir, Welle für Welle.

Irgendwann spürte ich den Kopf meines Kindes, sogar die feinen Haare. Gegen Abend glaubte ich, nicht mehr zu können. Ich veränderte meine Haltung ein letztes Mal, stellte einen Fuß auf, das andere Knie am Boden, und sagte mir: Jetzt. Es brannte, und meine Hebamme sagte nur ruhig: „Du schaffst das." Dann war der Kopf geboren, noch unter Wasser.

In diesem Augenblick verstummten die Wehen. Ich wartete – und begriff: Wenn mein Körper gerade Pause macht, dann presse ich eben ohne ihn. Mit allem, was mir geblieben war, holte ich mein Kind zu mir. Ich nahm ihn selbst aus dem Wasser, legte ihn auf meine Brust, und jeder Schmerz war vergessen.

Die Hebamme fragte, ob ich bereit sei, mit ihm und der Nabelschnur aus der Wanne zu steigen. Ich stand auf, meinen Sohn im Arm, und ging aus eigener Kraft die wenigen Schritte zur Liege. Ich weiß kein besseres Wort dafür: Ich fühlte mich wie eine Göttin.

Ankommen zu dritt

Kaum saß ich, begrüßte mein Sohn mich auf die ehrlichste Weise überhaupt – mit seinem allerersten kleinen „Geschäft". Ich war über und über beschmiert, und es war mir herzlich egal. Wir hatten unsere erste, ganz stille Bondingzeit, Haut an Haut, und ich durfte ihm schon die Brust anbieten. Das Stillen, um das ich mir so viele Sorgen gemacht hatte, klappt bis heute wunderbar.

Dann kam der Teil, um den ich gehofft hatte herumzukommen: ein tiefer Dammriss. Während mein Baby auf mir lag, wurde ich versorgt, was seine Zeit dauerte. An diesem Punkt war ich wirklich am Ende meiner Kräfte – und zugleich unendlich erfüllt.

Noch in derselben Nacht nach Hause

Weil alle Familienzimmer belegt waren, entschieden wir uns, noch in derselben Nacht nach Hause zu fahren. Zuerst waren wir darüber nicht glücklich; im Nachhinein bin ich zutiefst dankbar dafür. Wir waren von der ersten Stunde an in unseren eigenen vier Wänden, Remy konnte in den ersten Wochen ganz bei uns sein, und ich durfte langsam heilen. Der Riss brauchte lange, und ich konnte eine Weile nur liegen – doch mein Wochenbett war genau so still und geborgen, wie ich es mir gewünscht hatte. Vielleicht sogar schöner.

Was mir diese Geburt geschenkt hat

Diese Geburt hat mir gezeigt, wie viel möglich ist, wenn man bei sich bleibt – auch dann, wenn plötzlich Worte wie „Einleitung" und „Kaiserschnitt" im Raum stehen. Der Körper ist klug. Manchmal dürfen wir ihm einfach vertrauen.

Genau darum geht es auch in meiner Arbeit als Coach: Ich begleite Frauen durch Umbrüche zurück zu sich selbst und zu ihrer eigenen Stärke. Denn ob Geburt, Trennung oder ein ganz neues Kapitel – ein Neuanfang beginnt in dem Moment, in dem du dich für dich selbst entscheidest.

→ Mehr über meine liebevolle Begleitung für Frauen findest du auf kriss-coaching.com – oder vereinbare direkt dein kostenloses Erstgespräch.

Das ganze Video ansehen

Die vollständige Geschichte, in Bildern und mit meiner Stimme, findest du in meinem Video.

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Häufige Fragen

Ist eine Wassergeburt trotz Terminüberschreitung möglich?

Bei mir ja. Ich war neun Tage über Termin, und nach dem Blasensprung setzten die Wehen von selbst ein, bevor eine Einleitung nötig wurde. Ob eine Wassergeburt für dich infrage kommt, besprichst du am besten mit deiner Hebamme und deiner Klinik.

Heißt eine drohende Einleitung automatisch Kaiserschnitt?

Nein. Dass Einleitung oder Kaiserschnitt im Raum stehen, bedeutet nicht, dass es so kommt. Meine Geburt verlief ganz anders, als es zunächst aussah.

Wie lange heilt ein tiefer Dammriss?

Bei mir dauerte es einige Wochen, und ich konnte anfangs nur liegen. Das ist sehr individuell – lass dich dabei von deiner Hebamme begleiten.

Magst du auch einen Neuanfang?

Wenn du gerade vor einem Umbruch stehst oder zurück zu deinem Selbstwert finden möchtest, begleite ich dich gern – in deinem Tempo.

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